Gschichtln
Nicht alles was grün ist, ist Gras...

Nach unserem Ova-Himba Intermezzo setzten Heini und ich unsere Fahrt nach Süden fort. Andreas hatte uns die Route beschrieben (inklusive der schönen Baobab-Bäume am Wegesrand), aber er hatte es verabsäumt, uns zu sagen, dass es etwa 60 km von Opuwo bis zur Abzweigung zu Camp Aussicht, Marius Steiners Dioptasmine und Campingplatz, sind.

Also fuhren wir gemütlich nach Süden, machten Passfotos von den Baobabs und hielten Ausschau für die Abzweigung nach „Camp Aussicht“.
Kurze Zeit vorher war ein Gewitter niedergegangen und Heini meinte, dass es gut ist, dass wir so langsam unterwegs waren, sonst hätten wir ein Problem mit Aquaplaning.

Endlich – Camp Aussicht 6 km. Die Tafel war nicht zu übersehen und wir bogen links ab. Erstmal in das Rivier, das dank des Gewitters ziemlich hoch und schnell lief.
Im Vertrauen auf Volkswagen und die Tatsache, dass wir beide schwimmen können fuhr ich ins Wasser. Dieses kam nur bis zu den Trittbrettern und irgend eines der vier Räder fand immer Halt im lehmigen Flussbett.

Dann kam eine Schotterbank und letztlich das andere, ziemlich steile Ufer. Die Furt hinter uns gebracht, ging es ohne Probleme eben dahin. Nicht lange. Diese kürzere Zufahrt ist eher etwas für Ziegen mit Alpinerfahrung als für eine VW-Caravelle. Da unser Gefährt eine Tendenz zum Überhitzen hatte, fuhr ich so, wie sich Igel vermehren. Vorsichtig.

Nach einigen Kilometern steil bergauf und bergab erblickten wir ein Haus, was uns froh und hoffnungsvoll stimmte. Wir wussten zwar noch nicht, dass es nicht Marius’ Haus war, aber immerhin wohnte da jemand, der uns unter Umständen abschleppen konnte. Es kam aber nie soweit. Marius’ Haus war nur 50 Höhenmeter weiter und ich parkte unser braves Vehikel vor seiner Einfahrt. Marius kam zum Tor, wir stellten uns vor und er wies uns einen Campingplatz zu. Er war ein bisschen im Streß mit einem außerplanmäßigen Ochsen, der sich am Vormittag ein Bein gebrochen hatte, und der ihm zum „verwurschten“ angeboten worden war. Die „Wurscht“ gelang ganz köstlich, wie wir zwei Tage später feststellen konnten.
Marius’ Camp Aussicht, das seinem Namen alle Ehre macht, hat vier, ins Gelände eingebettete Campingplätze, die alles bieten, was das Camperherz begehrt. Eine ebene Stellfläche für Auto und Zelt (das wir nicht dabei hatten) eine Feuerstelle mit genügend Holz, einen Tisch, Wasseranschluß, Dusche und Toilette. Und jede Menge Aussicht.
Wir verbrachten den Rest des Tages (der im Morgengrauen in Kamanjab begonnen hatte) indem wir uns häuslich einrichteten. Ohne Haus kein Problem. Campingbetten heraus, Campingstühle zum vorhandenen Tisch, Schlafsäcke auslüften, fertig. Fast. Wir waren von Andreas mit einer hervorragenden Kühlbox ausgestattet worden. Heini macht eine Inventur der Bierdosen, und da zwei zuviel vorhanden waren, vernichteten wir den überzähligen Stand. Der Ordnung halber.
Nach einem Spaziergang zur Aussichtsplattform auf dem Hügel hinter den Campingplätzen machten wir Feuer mit mitgebrachtem Holz. Marius konnte ja nichts dafür, dass es auf seines draufgeregnet hatte. Die Boerewors, die wir uns grillten, schmeckte ausgezeichnet, und wir konnten zugleich unsere Zähne putzen. Heini hatte am Vorabend das Grillgitter nach Gebrauch im Sand saubergerieben und gemeint, dass es reicht, wenn er es an einem Baum abklopft. Es reichte nicht.
Der verbliebene Zahnschmelz wurde später geputzt und ab ging es in den Schlafsack. In Erwartung der ersten Sternschnuppe schlief ich ein und das nächste das sich ergab war, dass ich aus dem Schlafsack musste. Von wegen Inventurbereinigung!
Marius erwartete uns gegen 9 Uhr, um mit uns nach Kandesei zu fahren. Sein alter Landrover ist für den Saumpfad viel besser geeignet als unsere Caravelle. Abgesehen davon, dass wir nicht wussten, wo Kandesei war, hätten wir uns auf dieser Farm im ersten Flussbett sowieso nur als Brücke eingebaut.


Es war Sonntag, und die Brüder, die den Claim betreiben, waren in Opuwo. Es war nur ein Arbeiter vor Ort, der mir seine Schätze zeigte, nachdem ihn Marius auf Himba (oder Damara?) darum gebeten hatte.
Es war ein bisschen schwierig für mich, angesichts der schwachen Qualität der angebotenen Mineralien etwas Positives zu finden. Außer der Tatsache, dass, je mehr Zeit ich für meinen Kauf brauchte, desto länger hatten Marius und Heini Zeit, über die vom Unwetter frisch gewaschenen Halden zu schauen.

Gedacht, getan. Für etwa 20 Minuten feilschten wir in Himba und Wienerisch für einen Teil seines Angebotes und letztendlich kaufte ich einige Stücke.

 

Dann bezahlte ich ihm noch etwas extra, um für 15 Minuten auf der Halde sammeln zu dürfen. Vieles von dem was dort herumlag, war besser als die Stückchen, die er mir angeboten hatte.

Auf unserem Rückweg „lief“ uns noch ein Chamäleon über den Weg, das sein freundliches Grün auch nicht verlor, als ich es aufhob und in einen Busch am Rande der Fahrspur setzte.
Den Nachmittag verbrachten wir mit Marius auf dessen Terasse, wo ich dann auch aus einem guten Angebot von Dioptas, Malachit und Shattuckit aus der Kandesei-Mine wählen konnte.

Mimetesit, Baryt und Namibit, der von Dr. Niedermayr bestimmt wurde, konnte ich leider nicht finden.


Einen großen Wulfenitkristall von einer bis dato unbekannten Fundstelle konnte ich für Dr. Niedermayr erwerben. Er hatte ihn schon im Jänner gesehen.

An diesem Abend saßen wir dann ziemlich lange an unserem Feuer und warteten ab, ob die Gewitterwolken rundherum ihre nasse Pracht auch über uns auslassen würden. Zum Glück nicht, denn sonst hätten wir die Nacht sitzenderweise im Auto verbracht.

 

 

 

 

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